Die Albtraum-Fabrik

oder „Der Mörder ist immer der Gärtner und der Deutsche immer der Böse“

Seit dem ersten Weltkrieg, also praktisch seit Beginn der Hollywood-Ära, haben wir Deutschen das zweifelhafte Vergnügen, in vielen Filmen aus der sogenannten „Traumfabrik“ auf die Rolle des Bösen reduziert zu werden.

Es scheint dort ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass ein Deutscher keinesfalls ein Sympathieträger sein darf. Er muss stets herrisch, gerissen und moralisch verkommen sein, gerne aber auch dumm, feige und hinterhältig.

Immer gut sind natürlich Nazis, da klingeln die Kassen. Der deutsche Anti-Held geht skrupellos über Leichen und wird zum Filmende vom edlen Protagonisten, vornehmlich US-Amerikaner, seiner gerechten Strafe zugeführt.

Außer den Deutschen haben eine solche Rolle allenfalls noch die Russen zugeschrieben bekommen, aber mE nicht in dieser Intensität. Ein paar Beispiele, die ich für diesen Artikel gesammelt habe:

Stirb langsam (Originaltitel „Die Hard“, 1988)

Anders, als es die deutsche Synchronisation suggeriert, sind die Terroristen im Original keine „Europäer“, sondern es handelt sich um eine deutsche Terrorgruppe namens „Radical West-German Volksfrei Movement“. Diese verständigen sich teilweise auch auf Deutsch, das klingt ja auch so schön „fies“.

Der deutsche Zuschauer merkt den Schwindel erst, als McLane sich in einer Szene die Namen „Hans“ und „Karl“ auf dem Arm notiert. Zum Filmende stürzt McLane den Oberbösewicht Hans Gruber aus dem 32. Stockwerk des Hochhauses in den verdienten Tod.

Gladiator (2000)

Zu Beginn von „Gladiator“ erobern die heldenhaften Römer Germanien und unterwerfen die barbarischen Ureinwohner. Diese „Germanen“ werden selbstverständlich möglichst negativ gezeichnet: ungewaschene bärtige Wilde, in Felllappen gekleidet, Keule-schwingend, äußerst brutal und für den angebotenen Frieden nicht zu haben.

Obgleich die Römer Invasoren sind und die Germanen ihr Land verteidigen werden die Rollen geschickt vertauscht: die Römer sind gut und edel, die Germanen finster und brutal.

Dumm nur, dass eine „Eroberung Germaniens“ in dieser Form nie stattgefunden hat – aber was interessieren schon historische Fakten, wenn man die Deutschen hier so wunderbar primitiv und gewalttätig darstellen und gleich noch ein drittes Mal besiegen kann? Da wird die Geschichte halt einfach umgeschrieben.

Der Soldat James Ryan (Originaltitel „Saving Private Ryan“, 1998)

Spielberg zeigt hier einen Krieg der Amerikaner gegen die Deutschen, Alliierte Verbündete kommen erst gar nicht vor. Die Deutschen sind hier nicht nur dumm und feige – Heulsusen, Mörder, Verräter – sie sind vor allem äußerst hinterhältig und gemein.

Protagonist Miller gibt beispielsweise den Befehl, einen gefangenen Deutschen, der sich vor Angst natürlich in die Hosen macht, gnädig zu verschonen. Später ist es eben dieser Soldat, der den „Helden“ des Films feige abknallt. Was lernen wir daraus? Traue nie einem Deutschen.

Ekelhaft auch die Szene am „D-Day“: deutsche Soldaten stürzen brennend von einem Wachturm, ein amerikanischer Offizier sagt: „Nicht schießen, lasst sie brennen“. Deutsche sind hier keine Menschen, die kann man bei lebendigen Leibe verbrennen lassen – geschieht ihnen recht.

Zurück in die Zukunft II (Originaltitel „Back to the Future Part II“, 1989)

Doc Brown sagt zu Beginn des Filmes, dass die Browns erst 1908 nach Hill Valley zogen und damals noch „von Braun“ hießen. Sein Vater hätte den Familiennamen während des ersten Weltkrieges geändert.

Man wollte wohl auf Einstein oder Wernher von Braun anspielen und einen deutschen Migrationshintergrund andeuten – aber Moment, Deutsche dürfen ja keinesfalls Sympathieträger sein, siehe oben, daher muss sich Brown von seinem Familiennamen und seiner Herkunft lossagen.

Flug 93 (Originaltitel „United 93″, 2006)

Hier tut sich der deutschen Passagier „Christian Adams“ als Feigling und Abwiegler hervor, was die deutsche Synchronisation wieder zumindest teilweise abmildert. Kurz bevor die Passagiere das Cockpit der Maschine stürmen wollen spring er auf, schlägt wild um sich und ruft „Ich bin Deutscher, ich bin kein Amerikaner, ich will nicht sterben!“. Der Feigling muss von anderen, viel mutigeren Passagieren festgehalten werden.

Sogar den britischen Medien ist diese herabwürdigende Darstellung aufgefallen und wurde dort kritisiert.

Sleepy Hollow (1999)

Der kopfloser Reiter, welcher im beschaulichen Sleepy Hollow sein Unwesen treibt, ist ein hessischer Söldner. Der fiese Schlächter wurde von einer üblen deutschen Prinzessin geschickt, um die freiheitsliebenden US-Amerikaner zu knechten.

Am Ende des Films reißt dieser die ebenfalls böse Lady van Tassel an sich, gibt ihr mit seinen gelben, spitz gefeilten Zähnen einen widerlichen Kuss und reitet mit ihr in die Unterwelt. Das hat sie nun davon, dass sie sich mit einem Deutschen einlässt.

Das fünfte Element (Originaltitel „Le Cinquième Élément“ bzw. „The Fifth Element“, 1997)

Als sich der ältere Archäologe zu Beginn des Films den Mondoshawan-Außerirdischen gegenübersieht fragt er im Original „Are you German?“. Auch hier entschäft die deutsche Synchronisation dies zu „Sind Sie hier von der Erde?“, damit die Deutschen das Spiel nicht vorab durchschauen.

Was lernen wir daraus? Deutsche sind doch keine Menschen, es sind außerirdische, mysteriöse Kreaturen.

Anmerkung: dies ist natürlich ein französischer Film und keine Hollywood-Produktion, man wollte sich aber wohl soweit als möglich an die Albtraumfabrik annähern.

Highlander – Es kann nur einen geben (Originaltitel „Highlander“, 1986)

MacLeod erinnert sich an den 2. Weltkrieg und die erste Begegnung mit seiner spätere Ersatzmutter Rachel. Er findet diese als weinendes Mädchen, alle anderen wurden offensichtlich von den Deutschen ermordet.

Der Retter MacLoud wird von einem SS-Offizier beschossen, steht aber anschließend wieder auf und erschießt den bösen Deutschen spöttisch mit den Worten „Ich dachte, ihr seid die Herrenrasse“.

Wieder spricht der Nazi im Original Deutsch, damit jedem klar wird, was für ein „fieser Möpp“ da seiner gerechten Strafe zugeführt wird.

Iron Sky (2012)

In diesem „Nazi-Märchen“ sinnen die bösen Nazis seit 1945 auf der dunklen Seite des Mondes auf Rache. Obwohl der Deutsche Konrad Zuse als Erfinder des ersten funktionsfähigen Computers gilt sind die Mondbewohner natürlich zu dämlich, während der zwischenzeitlich vergangenen 67 Jahre einen halbwegs modernen Rechner zu entwickeln.

Sie müssen auf ein Smartphone der genialen Amerikaner zurückgreifen, das weit mehr Rechenleistung hat als die zimmergroßer Rechner der rückständigen Mondfaschisten. Dieser Film ist so mies und hanebüchen, dass ich mir jeden weiteren Kommentar erspare.

Jäger des verlorenen Schatzes (Originaltitel „Raiders of the Lost Ark“, 1981)

US-Held Indiana Jones kann bekanntlich von keinem Nazi getötet werden, so irre und sadistische dieser auch immer sein mag. Damit ist die Geschichte des von Klischees nur so wimmelnden Filmes bereits erzählt. Ursprünglich sollte Klaus Kinski die Rolle des Obernazis übernehmen, er lehnte jedoch ab, angeblich da ihm das Drehbuch „zu dumm“ war.

James Bond 007 – Im Angesicht des Todes (Originaltitel „A View to a Kill“, 1985)

In vielen Bond-Filmen ist Bonds Gegenspieler ein Deutscher, exemplarisch sei hier nur einmal dieses Werk aus dem Jahre 1985 herausgegriffen.

Die deutsche Synchronfassung wurde wieder einmal trickreich verändert, damit der Zuschauer hierzulande das Spiel nicht durchschaut: in der deutschen Fassung ist der Mentor des Oberbösewichtes Zorin, ein gewisser Dr. Carl Mortner, polnischer Abstammung und hat für den KGB Experimente mit Embryonen durchgeführt, denen der wahnsinnige Zorin entsprang.

Im Original war Mortner jedoch der Wissenschaftler Hans Glaub, der in Nazi-Konzentrationslagern Experimente an schwangeren Frauen vornahm.

Star Trek, Folge „Tödliche Spiele auf Gothos“ (Originaltitel „The Squire of Gothos“, 1967)

Sogar die von mir sehr geliebte Serie „Star Trek“ unterwarf sich dem Stereotyp, in „Tödliche Spiele auf Gothos“ ist einer der wenigen Deutschen bei Star Trek zu sehen, ein Geophysiker namens Carl Jäger.

Das exzentrische Superwesen Trelane präsentiert auch hier das Klischee des uniformierten, militaristischen, gewalttätigen Deutschen: „Und Hauptmann Jäger! Zackzack! Die Deutschen immer dabei, und eins und zwei und drei und vier, und nach dem Kampf ein kühles Bier!“

Ich wage auch einmal vorauszusagen, dass in den kommenden Star Trek Serien wohl niemals ein Deutscher Kapitän in einer Hauptrolle ähnlich des Franzosen Picard zu sehen sein wird, das wäre ja dann ein Sympathieträger.

Red Corner – Labyrinth ohne Ausweg (1997)

In diesem Gerichtsthriller bekommen vordergründig die Chinesen ihr „Fett weg“, deren Rechts- und Regierungssystem wird als durch und durch korrupt dargestellt. Um auch noch einen bitterbösen Deutschen einzubauen ist der eigentliche Drahtzieher hinter der ganzen Affäre ein gewisser „Gerhardt Hoffman“, Chef einer konkurrierenden deutschen Medienfirma.

Selbstverständlich wird dieser unfair mit fiesen Tricks arbeitende Deutsche schlussendlich vom heldenhaft und schlau agierenden Amerikaner mit etwas Hilfe einer hübschen jungen Chinesin enttarnt und überwunden – wie hätte es auch anders sein sollen?

An einer Stelle stellt Protagonist Jack Moore die ironische Frage, ob die Welt „tatsächlich für Filme und Fernsehserien aus Deutschland bereit sei“ – in diesem Falle gebe ich ihm mit Blick auf unsere GEZ-Sender sogar Recht; deren Schmonzetten wären für Chinesen wahrscheinlich genauso unerträglich, wie sie es für viele Deutsche sind.

Bitte nicht stören! (Originaltitel „Do not disturb“, 1965)

London und Paris sind in der belanglosen Doris-Day Komödie aus den 60er Jahren lebenswerte, pulsierende Traumstädte, Schwierigkeiten bekommt die Protagonistin erst später mit einem österreichischen Skihosenhersteller namens „Willie Langsdorf“.

Dieser als aufgedunsener, beglatzter, vergnügungssüchtiger und insgesamt recht widerlicher Lüstling gezeichnete Mann nutzt seine Position schamlos aus, umgibt sich mit willigen Konkubinen und stellt der sittsamen Doris ständig nach.

So lässt er auf einer Party den angesagten Twist-Tanz mit Wiener Walzer unterbrechen, um Doris zum Tanz zu zwingen und nutzt eine spätere Verwechselung schamlos und diabolisch lachend aus. Erst das ebenfalls verfettete Eheweib des Österreichers rettet Doris vor dem lächerlichen Toupetträger, der schließlich seine gerechte Strafe bekommt.

Natürlich handelt es sich hierbei um einen Österreicher und nicht um einen Deutschen, der Unterschied dürfte dem Zielpublikum aber eher unbekannt sein.

Ruinen (2008)

Eine Gruppe von jungen, hübschen, wohlhabenden durchtrainierten und sich allgemein auf der Erfolgsspur befindenden US-Amerikaner treffen am Pool Matthias, einen Deutschen, der seinen Bruder „Heinrich“ sucht.

Wie Sie sich sicher schon denken können ist diese Begegnung der Beginn des Grauens, denn Matthias leitet die Gruppe zu einen alten Maja-Tempel. Dort werden die „American Beauties“ von Horror-Pflanzen nach und nach umgebracht.

Versteckte Botschaft: lasst euch besser nicht mit Deutschen ein.

Fazit

Das sind nur einige Beispiele, die Liste könnte sicher noch wesentlich erweitert werden. Was will ich nun damit sagen? Möchte ich die „Deutsche Schuld“ wegwaschen oder relativieren? Mitnichten, als Gegner des Sozialismus kann ich mit der braunen Variante „Nationalsozialismus“ ebenfalls nichts anfangen und sympathisiere in keiner Weise damit.

Gleichzeitig kann ich in dieser stereotypen Darstellung des Deutschen als „Verkörperung des Bösen“ auch nichts Gutes sehen, ich halte dies sogar für gefährlich.

Diese Filme werden weltweit immer und immer wieder gezeigt und immer und immer wieder wird die für mich fragwürdige Botschaft des „bösen Deutschen“ in die Köpfe von Menschen gepflanzt, die höchstwahrscheinlich noch nie einen Deutschen gesehen geschweige denn mit einem gesprochen haben.

Manche werden vielleicht einwenden, dass dies alles ja „nur Fiktion“ und keinesfalls ernst zu nehmen sei. Ich persönlich glaube aber, dass viele Menschen die ihnen hier gezeigten Anschauungen unreflektiert übernehmen, Motto: „die Deutschen sind alle böse und Nazis, habe ich schon in vielen Filme gesehen“.

Was diese alles zu einer Völkerverständigung und zu einem dauerhaften weltweiten Frieden, den wir uns alle wünschen, beitragen soll, erschließt sich mir nicht. Als weit nach der Nazizeit Geborener weigere ich mich, aufgrund der schrecklichen 12 Jahre braunen Sozialismus, für die ich keinerlei Verantwortung trage, ein Leben im Büßergewand zu führen und meine Herkunft zu verleugnen.

Ich schäme mich nicht, dass ich Deutscher bin, auch wenn das gewissen Leuten nicht gefällt. Ich bin auch stolz auf die vielen Erfindungen und kulturellen Leistungen des Deutschen Volkes, das lasse ich mir von Hollywoods Albtraumfabrik nicht nehmen, da können die noch so viele Filme drehen.

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