Film

Bridge of Spies

Letzten Montag hatte ich das unerwartete Vergnügen, den Film „Bridge of Spies – Der Unterhändler“ aus der Albtraum-Fabrik zu sehen. Leidlich spannend unterhalten und einem deutlich gealterten Hauptdarsteller zusehend, sind mir wie sooft ein paar Dinge aufgefallen.

Technisch perfekt, aber überaus kitschig und klischeehaft setzt Hollywood hier eine Episode aus dem kalten Krieg in Szene. Und – wie sollte es auch anders sein – transportiert im Werk wie gehabt unterschwellig bekannte Botschaften:

■ Alle in der damaligen Sowjetunion und der DDR festgehaltenen US-Amerikaner sind jung, gutaussehend, schlau, ehrenvoll und sympathisch. Die Russen und DDR-Deutschen dagegen werden vornehmlich negativ gezeichnet; insbesondere in der Szene, als eine deutsche Straßenbande dem Protagonisten den Mantel stiehlt, wird dem Zuschauer verdeutlicht, wie verlottert und unsympathisch die Besiegten doch sind. Weiterlesen

Brautschiff Enterprise

Inzwischen scheint es kein Thema mehr zu geben, welches vor den selbsternannten Kriegern der sozialen Gerechtigkeit („Social Justice Warriors“) in ihrem Wahn noch sicher ist, nicht einmal eine harmlose Unterhaltungssendung aus den 60er Jahren namens „Star Trek“, siehe diesen Eintrag in der „Memory Alpha“.

Captain Kirk wird im Eintrag zur Folge „Brautschiff Enterprise“ unter „Hintergrundinformationen“ nun als sexistische Bestie kritisiert, die eine Außerirdische mit asiatischem Aussehen die „Überlegenheit des zivilisierten (und weißen) Mannes demonstriert“ und sie „auf rabiate Art sexuell unterwirft“.

Böser weißer Mann

Der Charakter der Außerirdischen sei „rassistisch dargestellt“ und würde im Verlauf der Folge „ins Stereotyp der devoten asiatischen Sklavin umschlagen“. Man kommt schließlich zu folgendem Schluss, Zitat:

Die gesamte Geschichte der Episode bestätigt somit das Bild von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ über die Asiaten, deren größtes Glück darin bestehe, den Weißen zu dienen.

Also ich habe als Kind und später in den Wiederholungen eine ganz andere Folge gesehen. In meiner Sicht bringt Kirk der ungehobelten Außerirdischen schlicht Manieren bei; dass das eine Asiatin sein soll, war mir gar nicht klar, da ich sie von vorne herein als Außerirdische, also als nicht-menschlich wahrgenommen habe. Weiterlesen

Ein Kleid von Dior

Auf meiner Flucht vor der oft unerträglichen Gegenwart zurück in die Vergangenheit fand ich in dem Film „Ein Kleid von Dior“ aus dem Jahre 1982 zufällig eine Art von prophetischer Vorhersage unserer heutigen Zustände.

Mrs. Harris, gespielt von Inge Meysel, ist arm und muss ihren Lebensunterhalt mühsam erarbeiten. Sie verdingt sich daher als Putzfrau.

Sie putzt u.a. für die Familie Matthews und trifft dabei auf die politisch engagierte Hausdame Eileen Matthews, wunderbar dargestellt von Christiane Hörbiger. Frau Matthews zitiert Trotzki, plant eine „Rock gegen Rassismus-Soiree“ und gibt sich insgesamt als eine Art von „kapitalistischer Radikal-Sozialistin“, während sie gleichzeitig im Luxus lebt, andere für sich arbeiten lässt und diese herrisch herumkommandiert. Zitat:

Die Alte tut mal wieder nichts, säuft Kaffee und klaut unseren Gefrierfisch. (…) Mrs. Harris, wir geben Sonntag eine Action-Party. Wir haben einige Rocker und Punker eingeladen – Kennzeichen „Aufklärung“. (…) Und Sie räumen meinen Kleiderschrank auf, ja, aber gründlich, wenn ich bitten darf!

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Der weiße Hai

Kürzlich sah ich wieder einmal den Filmklassiker „Der weiße Hai“ aus dem Jahre 1975. Da kam mir eine Idee…

Die ersten Szene beschreibt Jugendliche, die in einer lauen Sommernacht am Strand musizieren und Alkohol trinken. Ein Paar, welches sich gerade erst kennengelernt hat, beschließt, im Meer zu baden. Das Mädchen wird dann von einem Hai angegriffen während der Junge betrunken am Strand einschläft und davon nichts mitbekommt.

Ich behaupte: diese Szene, ja der gesamte Film wäre im Deutschland des Jahres 2017 nicht zu produzieren.

Unrealistische Handlung

Jugendliche musizieren am Strand und feiern? Unrealistisch, da….

■ sich die Jugend von heute – wenn überhaupt – zuhause am Rechner über virtuelle Chatrooms kennenlernt
■ Käme es doch zu einem Zusammentreffen am Strand, würden alle nur auf ihren Mobiltelefonen tippen, WhatsApp-Nachrichten verschicken und nur wenig miteinander sprechen
■ der am Strand schlafende betrunkene Junge würde heute mindestens ausgeraubt (wenn nicht Schlimmeres) Weiterlesen

Des Teufels General

Wir gedenken heute der 350.000 (frühere Schätzung) bzw. 25.000 (heutige Schätzung) Toten des Feuerstrums von Dresden 1945. In diesem Zusammenhang und durch den überraschenden Tod von Susanne Kablitz kam mir der Film „Des Teufels General“ von 1955 in den Sinn, den ich kürzlich wieder einmal sah.

Die für mich ergreifendste Szene des ganzen Films: General Harras kehrt von einer 14-tägigen Gestapo-Haft zurück und wird zu einer Lagebesprechung gerufen. Dort eröffnet man ihm, dass die USA in den Krieg eingetreten sind. „Was, die USA haben uns den Krieg erklärt?“ fragt er, worauf man ihm erwidert: „Nein, wir haben den USA den Krieg erklärt“.

Harras steht auf, geht zum Fenster, schaut in die Ferne. Mehre Sekunden lang schweigt er. Obwohl kein Wort gesprochen wird ist dem Zuschauer klar, was ihm durch den Kopf geht: alles ist verloren, der Krieg, Deutschland und die Zukunft des Deutschen Volkes auf lange Zeit, vielleicht sogar für immer. Harras wird endgültig bewusst, dass er einen Pakt mit dem Teufel eingegangen ist. Weiterlesen

Vera und Kwadwo

Erinnern Sie sich noch an die Serie „Diese Drombuschs“, welche mit großem Erfolg von 1983 bis 1994 im Fernsehen lief? Ich habe die Serie kürzlich nocheinmal gesehen und mir ist ab Staffel 5 (1991) einiges aufgefallen.

Zuerst einmal scheint 1990 die Wandlung der GEZ-Sender hin zum „Erziehungsfernsehen“ richtig Fahrt aufgenommen zu haben. Plötzlich taucht ein farbiger Junge (damals durfte man ihn noch als „█████“ bezeichnen und die Kinder aßen „█████küsse“) im Geschehen auf. Im weiteren Verlauf der Serie werden dessen Hautfarbe und die damit verbundenen Vorurteile thematisiert.

Doch damit nicht genug, im Laufe der Staffel wird auch bereits die Einwanderungsthematik behandelt, denn der farbige Jungarzt „Kwadwo“, natürlich hochbegabt, höflich, zuverlässig, hilfsbereit, fließend Deutsch sprechend und insgesamt einfach sympathisch gezeichnet, hat Probleme, in Deutschland bleiben zu dürfen.

Braune Vera

Vera Drombusch, engagierte und resolute Mutter des Clans, spricht in einer Folge dann allerdings etwas aus, wofür sie heute wohl als „Rechtspopulistin“ oder „Neurechte“ gebrandmarkt würde. Sie fragt doch tatsächlich den hochbegabten Jungarzt, ob er in seinem Herkunftsland Ghana nicht besser aufgehoben wäre als in Deutschland, wo doch schon das damalige Afrika dringend Ärzte benötigte. Weiterlesen